Die Museumssammlung

Ein Rundgang durch die Ausstellung

Eine original eingerichtete Spielzeugmacherstube aus dem Erzgebirge stimmt die Besucher auf Holzspielzeug ein. Es wurde in Deutschland in verschiedenen Gebieten hergestellt, z.B. in Thüringen, im Berchtesgadener Raum oder im Erzgebirge. Nicht umsonst nennt man die Gegend um Seiffen den Spielzeugwinkel, das Erzgebirge das Spielzeugland.

Während für das Westerzgebirge das Schnitzen typisch ist, wird in Seiffen, Olbernhau, Marienberg bis Grünhainichen überwiegend gedrechselt. Seit über 300 Jahren stellt man in Seiffen Spielzeuge her.

Die Stube zeigt, wie früher in den kleinen Stuben gewerkelt wurde. Oft saß die ganze Familie am Tisch und half mit. Ja, auch die Kinder mussten mit einfachen Arbeiten zum Broterwerb beitragen.

Eine in der Welt einmalige Besonderheit ist das Reifendrehen. Aus einem Reifen konnte der Spielzeugmacher 60 Tiere abspalten, die anschließend beschnitzt, gegebenenfalls ergänzt (Schwänze, Hörner, Euter), grundiert und bemalt wurden. Auch andere Teile wurden reifengedreht: Zubehörteile für Spielzeuge, Arme und Beine für Figuren, Pfeifen für Räuchermännchen, Häuser und Mauern, sogar menschliche Figuren. Die sahen allerdings meist recht kurios aus und konnten sich nicht durchsetzen.

Heutzutage beherrschen nur wenige Handwerker in Seiffen und Umgebung das Reifendrehen. Dass dieses Handwerk auch gefährlich sein kann, beweist ein Stück, das dem Reifendreher im Seiffener Freilichtmuseum um die Ohren flog. „Es gibt wohl keinen Reifendreher, der nicht schon mal in der Notaufnahme war“, meinte er lakonisch.

Zwei Vitrinen zeigen an ausgewählten Beispielen die Vielfalt des erzgebirgischen Holzspielzeuges. Eine Besonderheit ist das Bewegungsspielzeug. Von je her faszinieren Dinge, bei denen sich etwas bewegt, dreht, hüpft oder klingt. Oft wird das Prinzip der schwingenden Pendelkugel angewandt, z.B. bei den Pickhühnern.

 Zu beliebten Spielzeugen zählen auch Ziehspiele, die sich durch eine einfache Mechanik während des Ziehens bewegen (Wackelente, Windmühle, Ziegen…).

Der Storchenreiter ist in der Oberlausitz ein beliebtes Hochzeits-(Scherz-)-Geschenk. Mit vielen Wickelkindern, die oft sogar noch im abnehmbaren Schwanz versteckt sind, sollte er für den entsprechenden Nachwuchs sorgen.

Besonders beliebt waren die Kling- und Klimperkästchen. Die Mechanik ist denkbar einfach: Eine Kurbel bringt die Welle im Kästchen zum Drehen und die Figuren bewegen sich, während Federkiele die im Innern gespannten Drähte zum Klingen bringen. Heutzutage gibt es diese Kästchen auch mit kleinen Melodie-Spielwerken.

Die zweite Vitrine widmet sich dem Miniaturspielzeug. Die Vielfalt der kleinen Dinge, oft verpackt in Spanschachteln, ist verblüffend. Besonderes Augenmerk gehört den Miniaturfahrzeugen. Die Gespanne sind mit reifengedrehten Pferden bestückt.

 

Im ehemaligen Verkaufsraum der Bäckerei, gleichzeitig Eingangs- und Kassenbereich, begegnen wir zum ersten Mal dem kleinen liebenswerten Kerl, der uns durch das ganze Museum begleiten wird: dem Sandmännchen. Alles begann an einem Sonntag – dem 22. November 1959, genau um 19.25 Uhr. Ein Wicht mit verschlafenen Blick, abstehenden Ohren und gartenzwergenhafter Zipfelmütze schlich sich in die Fernseh-Stuben ein. Wohl dem übrigens, der damals einen Fernsehgerät hatte.

Damit kam man – das war natürlich Absicht – dem West-Sandmann, der bereits in den Startlöchern saß, zuvor. Puppenmacher Gerhard Behrendt entwarf aus einem Klumpen Knete in nicht einmal zwei Wochen den Ur-Sandmann. Mit der Zeit veränderte sich jedoch sein Gesicht.

50 Mitarbeiter hauchten Tag für Tag der 24 Zentimeter großen Puppe im Trickfilmstudio Leben ein. Ein Metallgestell mit 25 Gelenkkugeln verleiht ihr Fitness. Trotz Digitalzeitalter hat sich am Dreh nicht viel verändert: 25 einzelne Bewegungsmomente pro Sekunde sind nötig, um Sandmann nur einen Schritt voranzubringen. Der kleine Kerl war die Jahrzehnte über in rund 250 Fahrzeugen unterwegs. Schon 1960 – einjährig – fuhr der Sandmann seinen ersten Trabi. Eines der spektakulärsten Fahrzeuge war das Mondfahrzeug „Lunachod“. Sandmann reiste nicht nur nach Ungarn, Polen oder (besonders gern) in die UdSSR, er durfte auch nach Japan, Afrika und Grönland. Ideologische Bedenken gab es kaum. Einzige Bedingung: die Staatsführung musste schon mal da gewesen sein (mit einer Ausnahme natürlich, dem Mond).

Als man den kleinen Mann nach der Wende „abwickeln“ wollte, gab es Proteste und Unterschriftensammlungen bei seinen kleinen und großen Fans. Mit Erfolg. Auch heute noch flimmert er über den Bildschirm.     

Sandmann und seine Freunde gab es natürlich auch als Spielzeug in Plüsch, Holz oder Kunststoff. Einige von ihnen konnten sogar laufen, wenn man sie mit einem Schlüssel aufzog. Zu den Freunden von Sandmännchen gehörten Pittiplatsch und Moppi, Schnatterinchen und Bummi, Herr Fuchs und Frau Elster, Borstel, Herr Uhu, Flax und Krümel mit Struppi, Plumps und dem Küken.

Unumstrittener Liebling ist natürlich der freche Kobold Pittiplatsch, der Liebe. Der Kugelblitz mit den frechen Sprüchen beeindruckte sogar Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht. Das Postministerium musste 1964 eine 15-Pfennig-Briefmarke mit dem Konterfei des Kobolds herausgeben. Mehr als 50 Bücher und 12 Pitti-Schallplatten kamen auf den Markt.

 

Das Auto ist ein echter Spielzeug-Klassiker. Eines stand zu DDR-Zeiten besonders im Scheinwerferlicht: der Trabant.

Welche Kosenamen hatte man nicht für ihn parat? „Rennpappe“, „Asphaltblase“, „Plastebomber“ oder „Volkswagen der DDR“. 1957 liefen in Zwickau die ersten Trabis vom Band. Natürlich gab es ihn auch als Spielzeug-Auto. Genauso wie Wartburg, Barkas oder Robur-Fahrzeuge. Daneben gab es erstaunlicherweise auch einen Ferrari und Alfa Spider. Nicht nur für den Export gebaut, ließen sie auch manche DDR-Kinderaugen leuchten.

Alle hier gezeigten Fahrzeuge sind aus Plaste, ein beliebter Werkstoff auch für die Spielzeugindustrie. Ab Mitte der 60er Jahre war die DDR Dank des Chemieprogramms in punkto Plaste wettbewerbsfähig und kreierte eine Vielzahl von Modellen in Kunststoff mit Schwungradantrieb oder Fernlenkung. 

 

Baukästen zählen zu den jüngeren Spielzeugen. Um 1800 findet man erste Formen in Bestelmeiers Magazin,  einem Angebotskatalog aus dieser Zeit.

Die klassischen Materialien sind Holz, Stein und Metall,  zu DDR-Zeiten kam auch der Werkstoff Plaste hinzu und verdrängte z. B. die Steinbaukästen.

Die Anker-Steinbaukästen aus Rudolstadt/Thüringen waren weltweit bekannt. Daneben produzierte eine Firma in Waldheim/Sachsen den BOB-Steinbaukasten. „BOB“ stand für „Bauen ohne Bindemittel“. Die Steine mit Noppen und Vertiefungen ähnelten den Lego-Steinen und boten stabilen Halt beim Bauen.

Beliebt waren auch die Metall- oder Stabilbaukästen. Ihre Produzenten waren schon damals recht pfiffig: Um den Raupenschlepper auf dem Titel nachzubauen, bedurfte es nicht nur mehrerer Ergänzungsbaukästen, sondern auch diverser Einzelteile aus dem Fachhandel, die man dazu bestellen musste, um das Spielglück komplett zu machen. Eine durchaus preisintensive Sache!

Besonders gefragt waren die Holz-Bausätze aus dem Erzgebirge, mit denen man Flugzeuge, Fahrzeuge und Maschinen bauen konnte.

Der „Bau mit“-Kasten wurde 1962 entwickelt. Viele kennen noch seinen Nachfolger „VERO Construc“, den es ab 1968 gab.

 

Ganz zauberhaft geht es in der Märchenvitrine zu: Rumpelstilzchen und Schneewittchen, Aschenputtel und Froschkönig als Spielfiguren. Besonders beliebt bei den Spielzeugmachern waren die Figuren der Gebrüder Grimm. Aber auch der Daumenlutscher, Zappelphilipp und Hanns Guck-in-die-Luft dienten den Erzgebirgern als originelle Figurenvorlagen. Kennen Sie noch die Geschichte vom Suppenkaspar? Nein? Eine gute Gelegenheit, mal wieder das Buch von Heinrich Hoffmann in die Hand zu nehmen.

Oder sich über die Streiche von Max und Moritz zu amüsieren. Witwe Bolte, Lehrer Lämpel und Onkel Fritz war bei den beiden weniger zum Lachen zumute. Bei uns finden die Lausbuben kein so grauenvolles Ende, sondern erstarren ganz einfach – in Holz.   

 

Diese Baukästen begeisterten ganze Generationen: Kellner-Baukästen. Wer kennt sie nicht: Gärtner Tulpe, Quiek und Quak und Hopps?

Alles begann 1919 in Leipzig. Georg Kellner (1898-1974), damals ein leidenschaftlicher Flugzeugbauer, kam auf die Idee, Bausätze für Flugmodelle herzustellen. Die folgenden schweren Zeiten der Weltwirtschaftskrise zwangen zu neuen Überlegungen und Ideen. Georg Kellner erfand die interessante Steckverbindung mit einem Stück Gummischlauch. „Jummis“, wie man heute sagt. Und so war die Kellner-Steckfigur geboren. Mit dem Umzug nach Tabarz in Thüringen entwickelte sich ein reichhaltiges Sortiment an Spielzeugen und Figuren. 1972 wurde der Betrieb verstaatlicht und nannte sich VEB Plastspielwaren (ab 1980 VEB biggi). 1990 schlossen sich die Pforten des Betriebes, die Mitarbeiter wurden entlassen.

Seit 1993 produziert der Enkel des Firmengründers, Hans-Georg Kellner, wieder die Spielzeuge nach altem Vorbild. Neben den alten Motiven entstanden mittlerweile auch viele neue Figuren in bunten Farben, wie z.B. Tim, der Wurm. Die einzelnen Entwicklungsstufen der Figuren erkennen Sie auch am Anteil der Plasteteile. Die alten Figuren waren vollständig aus Holz, als erstes wurden die Holzschuhe durch welche aus Plaste ersetzt, Ende der 70er Jahre wurden dann Arme, Beine und Körper aus Plaste gefertigt. Nur ein Teil blieb stets aus Holz: der Kopf.

 

 

Spielzeug aus Holz – beliebt, begehrt und nicht selten zu DDR-Zeiten Bück-Dich-Ware.

Nicht nur aus dem Erzgebirge, auch aus dem waldreichen Thüringen kamen zu DDR-Zeiten Holzspielzeuge. Der kleine Ort Steinach kannte viele Spielzeugmacher: Greiner, HeKo, Kienel, Gecevo (Georg Christoph Vogel) oder später den VEB Plaho (der Name steht für Plaste und Holz).

Militärspielzeug war eigentlich nur für den Binnenmarkt attraktiv und gefragt. Der Lkw in Originalverpackung ist, wie so manches andere Spielzeug in der Ausstellung auch, ein Konsumgüterprodukt. In diesem Fall fertigte der VEB Carl Zeiss Jena das Auto, das dem VERO-Modell ähnelt. Vermutlich konnte VERO den Binnenhandelbedarf nicht decken.

 

Typisch DDR trifft es wohl hier als Überschrift am besten.

Spielzeuge sind gleichsam ein Spiegelbild der bestehenden Verhältnisse und bringen manchmal durchaus Kurioses hervor. Zumindest aus heutiger Sicht kann man über allerlei schmunzeln: Über den ABV (sprich: Abschnittsbevoll-mächtigten) als Räuchermann beispielsweise oder den Volkspolizisten, der den Verkehr regelt. Der hölzerne Geselle entstand in Seiffen und wurde für die Verkehrsschulung eingesetzt. Denn man konnte ihn durch das Abnehmen der Arme unterschiedlich den Verkehr regeln lassen.

Oder die Stalinallee in Miniatur. Die erste Großbaustelle in der Hauptstadt Berlin wurde ein Symbol für den Wiederaufbau nach dem Krieg. Zum 70. Geburtstag Stalins wurde sie 1949 umbenannt. Die Wohnblöcke entsprachen der Größe einer Kleinstadt mit fast 10 000 Einwohnern.

Interessant im gleichen Zusammenhang sind auch die Miniaturspielzeuge des „VEB Kombinat Schwarze Pumpe“ und das Naherholungszentrum Müggelsee.

Viele Figuren waren liebevolle Wegbegleiter, wie z.B.

das Messemännchen. Es wurde 1964 von Kunstpreisträger Gerhard Behrendt, der ja auch der Vater des Sandmännchens ist, vorgestellt. Damit begann sein Siegeszug als Werbefigur und Souvenir. Die kleinsten Figuren waren 15 Zentimeter groß, die größten rund 1,60 Meter. Die Firma „biggi“ in Waltershausen fertigte die kleinen Gesellen mit Plaste- und Gummiköpfen. Die hier gezeigten Holzfiguren sind recht selten. Ende 1991 wurde die Produktion des Messemännchens als Souvenir eingestellt. Mittlerweile aber feiert es seine Auferstehung.

Manche Figuren kennt man noch aus der Werbesendung „Tausend-Tele-Tips“: den Minol-Pirol, den Telelotto-Glücksbringer oder den Detektiv von Spezitex. Viele Figuren sind ortsgebunden. Untrennbar mit Berlin verbunden ist nicht nur der Tele-Spargel, sondern auch das Wappentier, der Bär, der Schusterjunge und Tierpark-Ede. Der bekannte Zeichner Erich Schmitt schuf den Ede – heute würden wir sagen, als Comicfigur – Ende der 50er Jahre für „Eulenspiegel“ und „Berliner Zeitung“. 

Comic ist das Stichwort. Denn das „Mosaik“ war ein solches. Die Helden, die Digedags und Ritter Runkel von Rübenstein, gab es als hölzerne Spiel- oder eher Sammelfiguren aus dem Erzgebirge. Im Dezember 1955 erschien das erste Mosaik-Heft. Bis 1975 waren die Digedags die Helden, die dann von den Abrafaxen abgelöst wurden. Hauptproblem für Mosaikleser war – ein Heft zu bekommen. Das Papierkontingent reichte nicht, um alle Leserwünsche zu erfüllen. Neben dem Export gingen die meisten Hefte an Abonnenten. Nur wenige Hefte gelangten an die Kioske zum Freiverkauf. Abos wurden wegen ihrer Beliebtheit sogar vererbt.

 

Es ähnelt schon fast einem DDR-Verkehrsmuseum, was sich da versammelt: zu sehen sind vor allem zeitgemäße Fahrzeuge, wie Trabi (500er und 601er), Wartburg (311 und Tourist), Barkas, Tatra oder Robur-Fahrzeuge. Eine erstaunliche Vielfalt bot sich den Sammlern und Eisenbahnfreunden im Bereich der Modellautos. Die kleinen Modelle im Maßstab 1:87 (HO) sind meist aus Plaste, in den 80er Jahren fertigte man aber auch Spritzgussvarianten, z. B. von Militärmodellen. In Anlehnung an die Matchbox-Serie „Models of Yesteryear“ gab es eine kleine Auswahl an Oldtimern, sowohl in Plaste als auch in Metall.

 

Das Reich der Figurensammler ist größer als allgemein erwartet. Allein bei den Indianerfiguren in Masse, die bis etwa 1960 auf dem Markt waren, liegt die Zahl bei rund 400. Diese Figuren gingen schnell kaputt, fielen sie vom Küchentisch. Vorsicht war da beim Spielen geboten. Das konnte mit den so genannten Gummi-Indianern nicht passieren. Die lösten die oft anfälligen Massefiguren ab 1959 ab. Von den Kunststofffiguren gab es übrigens 140 verschiedene Typen. Einen Katalog zu diesen Figuren können Sie bei uns an der Kasse erwerben.

Die meisten der Aufstellfiguren wurden in Thüringen hergestellt.

 

Bei Sammlern mittlerweile beliebt sind auch die Tiere aus Kunststoff. Der VEB Plaho (Steinach/Thür.) produzierte sie seit Mitte der 70er Jahre bis zum Ende der DDR. Die Tiere wurden gruppen- oder familienweise in Zellophantüten verkauft. Die meisten Tiere sind im Maßstab 1:32 oder 1:25. Manche Figuren besitzen ansteckbare Zubehörteile, die heutzutage meist fehlen. Zu den seltenen Tieren gehören das Rentier und die Elchfamilie. Insgesamt gab es 60 Sortimente, die alle hier in der Vitrine vereint sind.

 

Spielzeuge aus Blech bestimmen das Bild der großen Vitrine.

In der DDR war der VEB Mechanische Spielwaren Brandenburg (MSB), der aus drei privaten Firmen hervorging, der bedeutendste Hersteller von Blechspielwaren. Der Exportanteil, meist in Ostblockstaaten, betrug über 50 Prozent. 1992 wurde der traditionsreiche Betrieb abgewickelt. Herbert Stahlberg, über 30 Jahre bei der Forschungsabteilung von MSB beschäftigt, rettete einen Teil der Fahrzeuge aus dem Musterzimmer vor der drohenden Verschrottung. Als Dauerleihgabe sind diese Fahrzeuge, ergänzt durch Exponate aus der eigenen Sammlung, hier zu sehen.

 

Das Puppenhaus, die Schenkung einer Görlitzerin, ist im typischen Stil der 70er/80er Jahre gebaut. Fast in jedem Kindergarten stand ein solches Haus, das nach Herzenslust bestückt werden konnte. Auch das Unsere gleicht in Mobiliar und Ausstattung einer Zeitreise durch 40 Jahre DDR.

Ebenfalls aus keinem Kindergarten wegzudenken waren die Fahrzeuge aus geformtem Sperrholz. Die Großfahrzeuge

stammten aus Werdau, wo sich 1958 mehrere Holz verarbeitende Firmen zur PGH zusammenschlossen. Die PGH erhielt den Ehrennamen „Friedrich Fröbel“, Begründer des ersten Kindergartens in Deutschland 1837. Ziel war es Holzspielzeug herzustellen, das pädagogisch wertvoll, zerlegbar und naturlackiert ist. 1980 musste die Firma Fröbel durch den Übergang von der PGH zum VEB den Aufdruck von „FWF“ in „VERO“ ändern. 1992 wurde die Produktion in Werdau eingestellt. 1998 setzte Siegfried Eberlein ( selber ehemaliger Lehrling in der PGH mit 40 Jähriger Holzspielzeugerfahrung ) die Geschichte der Firma fort und produziert seine Fahrzeuge in den ehemaligen Produktionsräumen der PGH in Werdau weiter.

 

Für die Puppenmuttis war es wichtig, mit Haushaltgeräten den Alltag nachzugestalten. Ob Nähmaschine, Waschmaschine, Mixer, Waage oder Küchenherd, da konnte man bei der Hausarbeit richtig ins Schwärmen kommen.

 

Der Kaufmannsladen stammt aus den 60er Jahren und ist bestückt mit den typischen Ost-Produkten aus der Zeit zwischen 1960 und 1980. Das Karussell allerdings gab es nirgendwo zu kaufen. Ein Görlitzer Vati baute es für seine Kinder.

 

Apropos: Bauen. „Bau auf, bau auf!“ scheint nicht nur das Motto eines FDJ-Liedes zu sein, sondern auch der Tenor der Baukastenhersteller. Der kleine „Großblock-Baumeister“ konnte tatsächlich Plattenbauten hochziehen wie im tatsächlichen Leben. Zum Glück waren die im tatsächlichen Leben sicherer als die Bauten aus Plasteteilen, die sehr gewöhnungsbedürftig und instabil waren. Der Gartenbausatz dieser Baukastenreihe gehört übrigens zu den seltenen Baukästen dieser Art.

„PEBE“ (abgeleitet vom Firmengründer Paul Bernhardt) und Formo“ sind zwei DDR-Baukastensysteme, die jedoch nicht miteinander kompatibel sind. Die „PEBE“-Steine waren aus Polystyrol und leicht brüchig, aber ließen sich einigermaßen mit den Lego-Steinen kombinieren. Wohl dem, der Westverwandtschaft besaß, der ließ sich z.B. Dachsteine von Lego schicken, die es bei „PEBE“ anfangs nicht gab.  Der VEB Gothaer Kunststoffverarbeitung entwickelte das FORMO-Bausteinsystem Ende der 1960er-Jahre und fertigte sie bis 1990. Seit 2003 gibt es die Bausteine wieder zu kaufen.

 

Eine ganz besondere Aktion verhalf 1959 Kindern zu einem ganz besonderen Baukasten: dem Rostocker Überseehafen. Die Lebensmittelkarten waren gerade abgeschafft, Butter recht knapp, da schlug die Margarineindustrie zu. Auf dem Margarinepapier von Sahna, Vita, Marina und Sonja waren Wertmarken abgedruckt, die man sammeln und in ein Wertmarkenheft einkleben konnte. War die Seite voll, schickte man sie ein und bekam einen Bausatz vom Rostocker Überseehafen, der damals gerade im Bau war. Mole und Leuchtturm, Hafenmeisterei und Tankanlagen, Lagerhallen und Lotsenschiffe, riesige Schiffe und kleine, eine Eisenbahn und vieles mehr ergaben am Ende, hatte man alle acht Teile zusammen, den großen Hafen von Rostock. Hergestellt wurden diese kleinen Baukästen übrigens im Erzgebirge, in Blumenau. Später wurden diese Teile für einen Baukasten verwendet. Da allerdings waren die Teile dann schon farbig lasiert.   

 

Die einzigartige Miniaturlandschaft auf rund vier Quadratmetern schuf der Dresdener Modellbauer Wolfram Fiedler. Sie ist bestückt mit Seiffener Miniaturspielzeug aus der DDR-Zeit zwischen 1950 und 1985. Nicht immer passen die Spielzeuge im Maßstab exakt zueinander, aber das war für das kindliche Spiel auch ohne Belang. Die Häuser stammen aus der Werkstatt von Spielzeugmacher Pflugbeil aus Seiffen. Übrigens: Wenn Sie ganz genau hinschauen, entdecken Sie bestimmt die drei Figuren aus dem Abendgruß, die sich hier versteckt haben: Sandmännchen, Frau Elster und Pittiplatsch, der Liebe. 

 

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